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Das Leiden eines Rüdenbesitzers…

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3. August 2026

Das Leiden eines Rüdenbesitzers, oder warum auch der Hund einer Hundetrainerin einfach mal völlig neben der Spur ist.

Ich stand am Wochenende mit meinem Hund im Hoopersparcours und dachte nur: Das kann doch jetzt wohl nicht wahr sein.

Da stand Karli, mein absoluter Arbeitsterrier, mitten im Parcours und guckte mich an, als hätte er noch nie in seinem Leben einen Hoopersbogen gesehen. Er lief drei Schritte, blieb stehen, schnüffelte, guckte mich kurz an und schnüffelte direkt weiter. Was wir hier eigentlich machen wollten, hatte er offenbar völlig vergessen.

Dabei war es sein erstes Hoopersturnier und ich war mir vorher ziemlich sicher, dass ausgerechnet läufige Hündinnen für uns kein großes Thema werden würden. Karli kennt läufige Hündinnen nämlich wirklich gut.

Bei uns auf dem Hundeplatz trainieren regelmäßig läufige Hündinnen mit. Zu Hause lebt er mit Peggy zusammen und erlebt natürlich auch ihre Läufigkeiten. Selbst wenn irgendwo bei uns im Dorf eine Hündin läufig ist, merke ich davon im Alltag meistens überhaupt nichts. Manchmal klappert er ein bisschen mit den Zähnen, aber das war es dann auch schon.

Ich bekomme diesen Hund eigentlich immer ins Arbeiten. Wirklich immer. Egal, was um ihn herum passiert, Karli ist normalerweise da. Er will arbeiten und steht gefühlt schon in den Startlöchern, bevor ich überhaupt weiß, dass wir gleich anfangen.

Und genau deshalb war ich am Wochenende völlig sprachlos.

Er kann das, aber an diesem Tag konnte er es eben nicht

Die Parcours waren nicht besonders schwer, die anderen Hunde standen weit genug entfernt und die Bedingungen waren eigentlich gut. Es gab aus meiner Sicht keinen Grund, warum Karli diese Parcours nicht hätte laufen können.

Er kann das. Ich weiß, dass er das kann. Und genau das macht solche Situationen so unglaublich frustrierend.

Wenn dein Hund etwas noch nicht gelernt hat, kannst du sagen: Okay, das müssen wir eben noch üben. Wenn dein Hund etwas aber eigentlich richtig gut kann und dann plötzlich dasteht, als wäre sein Gehirn unterwegs irgendwo aus dem Kopf gefallen, dann sieht die Sache anders aus.

Dann bist du nicht nur enttäuscht, dann bist du sauer und verstehst die Welt nicht mehr.

Und als Hundetrainerin steht man da natürlich noch einmal mit einem ganz besonderen Gefühl. Man hat ja nicht nur seinen Hund dabei, sondern gefühlt auch ein unsichtbares Schild über dem Kopf, auf dem steht: „Die müsste es doch eigentlich besser können.“

Und ja, es war mir peinlich.

Da stand ich als Hundetrainerin mit meinem Hund, der sich so sehr auf einem Geruch festgeschnüffelt hatte, dass ich ihn kaum noch erreichen konnte. Ich wollte am liebsten sagen: Entschuldigung, das ist heute gar nicht mein Hund. Meiner kann das eigentlich.

Nur interessiert das in diesem Moment natürlich niemanden. Vor allem den eigenen Hund nicht.

Auch eine Hundetrainerin ist manchmal einfach nur Hundebesitzerin

Vielleicht denkt man manchmal, Hundetrainerinnen hätten Hunde, die immer funktionieren. Hunde, die jederzeit abrufbar sind, nie pöbeln, nie schnüffeln, nie aussteigen und natürlich niemals mitten in einem Turnier vergessen, was sie eigentlich tun sollten.

Aber das ist Quatsch.

Wir haben keine Maschinen zu Hause, wir haben Hunde. Hunde mit Gefühlen, Bedürfnissen, schlechten Tagen und eben auch mit Trieben.

Und wir selbst sind in solchen Momenten auch keine unerschütterlichen Trainingsroboter. Wir sind Menschen. Wir ärgern uns, wir sind enttäuscht und manchmal schämen wir uns sogar ein bisschen. Manchmal möchten wir unseren Hund einfach kurz fragen, ob das jetzt wirklich sein Ernst ist.

Das bedeutet nicht, dass wir unsere Hunde weniger lieben. Es bedeutet auch nicht, dass wir ungerecht zu ihnen sein dürfen. Aber dieses erste Gefühl, dieses genervte und frustrierte „Das kann doch nicht wahr sein“, ist trotzdem völlig normal.

Man muss sich dafür nicht schämen. Entscheidend ist nur, was man danach daraus macht.

Rüdenbesitzer wissen genau, wovon ich spreche

Viele Besitzer intakter Rüden kennen diese Momente. Plötzlich ist irgendwo eine läufige Hündin und der eigene Hund scheint nur noch aus Nase zu bestehen. Der Mensch am anderen Ende der Leine existiert nicht mehr, Futter ist egal, Spielzeug ist egal und der Hund, der zu Hause noch jedes Signal im Schlaf ausgeführt hat, hat plötzlich ganz andere Prioritäten.

Natürlich kann man daran arbeiten. Genau deshalb dürfen bei uns in der Hundeschule auch läufige Hündinnen am Training teilnehmen. Läufigkeit gehört zum Alltag.

Ich finde nicht, dass eine Hündin mehrere Wochen lang aus allen Trainingsgruppen verschwinden muss, nur weil die anwesenden Rüden sonst Schwierigkeiten bekommen könnten. Die Rüden dürfen lernen, dass auch dann noch ein Mensch am anderen Ende der Leine existiert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir es ihnen unnötig schwer machen. Eine läufige Hündin muss nicht unmittelbar vor der Nase eines Rüden stehen oder während der Wartezeit direkt neben ihm sitzen. Wir schaffen Abstand und achten darauf, dass alle Hunde möglichst gut arbeiten können.

Aber grundsätzlich gehört auch das zum Training.

Und Karli ist für mich der beste Beweis dafür, dass ein intakter Rüde sehr wohl lernen kann, auch in Anwesenheit läufiger Hündinnen ansprechbar zu bleiben. Ich lebe seit fünf Jahren mit ihm, er ist unkastriert und hat sogar Deckerfahrung. Trotzdem funktioniert unser Alltag normalerweise völlig problemlos.

Nur eben an diesem Wochenende nicht.

Man kann viel trainieren, aber nicht jede Situation nachbauen

Und genau hier liegt vielleicht der wichtigste Punkt. Man kann den Umgang mit läufigen Hündinnen trainieren, an der Ansprechbarkeit arbeiten, den Hund wieder aus Gerüchen herausholen und üben, dass er auch bei großer Ablenkung bei seinem Menschen bleibt.

Aber man kann nicht jede Situation künstlich herstellen.

Wenn mein Hund im normalen Alltag und im Training zuverlässig mitarbeitet, habe ich kaum die Möglichkeit, genau diesen Moment zu üben, in dem er plötzlich komplett aussteigt. Ich kann schlecht sagen: Wir bräuchten heute bitte eine ganz bestimmte läufige Hündin, deren Geruch auf einem Turnierplatz verteilt wird, über den anschließend mehrere intakte Rüden laufen.

Manche Situationen entstehen erst dann, wenn man mittendrin steckt. Und dann zeigt sich, was an diesem Tag möglich ist und was eben nicht.

Das bedeutet nicht automatisch, dass das vorherige Training schlecht war. Es bedeutet manchmal einfach nur, dass die Ablenkung größer war, als man erwartet hatte.

Ein schlechter Lauf macht keinen schlechten Hund

Am Ende des Tages war ich enttäuscht, genervt und ich fand es peinlich. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Karli zeigt, was er eigentlich kann.

Aber dieser Turniertag verändert nicht, was für ein Hund er ist. Er ist immer noch mein Arbeitsterrier, immer noch unglaublich zuverlässig und immer noch ein Hund, mit dem ich wahnsinnig gern trainiere.

Er hatte an diesem Tag nur andere Dinge im Kopf. Sehr deutlich andere Dinge.

Und vielleicht ist das die Erinnerung, die wir alle manchmal brauchen: Ein schlechter Trainingstag macht keinen schlechten Hund und ein misslungener Turnierlauf macht kein schlechtes Team.

Wenn dein Hund in einer Situation plötzlich völlig neben sich steht, bedeutet das nicht automatisch, dass euer gesamtes Training nichts gebracht hat. Manchmal sind Hunde einfach Hunde und manchmal sind wir Menschen darüber einfach richtig genervt.

Beides darf sein.

Wir dürfen uns ärgern, enttäuscht sein und danach einmal tief durchatmen. Dann schauen wir unseren Hund wieder als das an, was er ist, nämlich als Hund, und überlegen, was wir aus dieser Situation mitnehmen können.

Denn auch Hundetrainerinnen stehen manchmal mitten im Parcours und denken:

Alter, das kann doch jetzt wirklich nicht dein Ernst sein. 😀

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